EZB hebt Leitzins auf 1,5 Prozent

30. Juli 2011 · 0 Kommentare

In kleinen, aber kontinuierlichen Schritten erhöht die EZB den Leitzins, der inzwischen wieder bei 1,5 Prozent liegt. Trotz der Gefahren für die noch längst nicht überall stabile Konjunktur und die überschuldeten Euro-Länder nimmt die Zentralbank vorsichtig den Kampf gegen die Inflation auf. Jetzt sollen statt der Waren wieder die Kredite teurer werden.

EZB Neubau

EZB Neubau

(Frankfurt) Geht die Zeit des billigen Geldes nun ihrem Ende entgegen oder sind die Reaktionen trotz zweifacher Erhöhung innerhalb von nur zwei Monaten immer noch zu zaghaft? Wer sich nur am Politikteil der Tageszeitungen orientiert, der mag zu dem Schluss kommen, dass es für eine Zinserhöhung der EZB noch immer keinen Spielraum gibt, solange die Mehrheit der Euroländer noch mit schweren, konjunkturellen Problemen zu kämpfen hat. Aber es gibt eben auch die Staaten, die ihre Hausaufgaben bereits in den vergangenen Jahren gemacht haben. Allen voran EU-Schwergewicht Deutschland, für dessen Boom die aktuellen Zinsen eigentlich noch viel zu niedrig sind und dessen Wirtschaft mittelfristig gar zu überhitzen droht. Da hilft es manchmal, wenn zur rechten Zeit die Kredite teurer werden.

Tatsache ist, dass die allererste und vornehmste Pflicht der Europäischen Zentralbank (EZB) die Wahrung der Geldwertstabilität ist. Und dieser Aufgabe kam sie, getrieben von den Problemen während und nach der Weltfinanzkrise, spätestens seit Anfang 2010 nicht mehr nach, denn die Lehrbücher hätten eine Reaktion auf die steigende Inflation im Euroraum schon im vergangenen Jahr verlangt.

2% Inflation, das galt (und gilt) als Richtschnur. Inzwischen sind wir bei 2,7%.
So sorgt sich die Fachwelt auch weiterhin nicht vor einer Austrocknung der Finanzmärkte. Ganz im Gegenteil, geht man ausschließlich von der Differenz von der Inflationsrate zum Leitzins aus, so flutet die EZB die Märkte immer noch mit frischem Geld, auf ähnlichem Niveau wie 2009.

Und die Hoffnung, dass billiges Geld auf Dauer die beste Medizin kränkelnder Euro-länder, bevorzugt rund ums Mittelmeer sei, trügt ohnehin.Der Leitzins ist keine Stange, mit der man eine Konjunktur anschieben kann. Sie ist allenfalls ein Seil. Wenn es lang genug ist, bremst es die laufende Konjunktur nicht aus. Wo es zu lang ist, da enteilt einem der Boom und läuft sich selber tot. Doch schieben kann man mit einem Seil nicht. Wo sich nichts bewegt, da bleibt auch das Zinsseil schlaff.

Unbestreitbar aber bleibt die deutsche Konjunktur von dem Zinsschritt weitgehend ungefährdet, auch wenn nun die Kredite teurer werden. Auch direkte Auswirkungen für die Zinsentwicklung der Euro-Schuldenländer werden wohl ausbleiben:
„Die Zinsen für Staatsanleihen in Griechenland und Portugal sind ohnehin schon von den Leitzinsen entkoppelt“, so ein Experte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) aus Essen.

Tipp: Jetzt noch einen Kredit aufnehmen und von den Zinsen profitieren.

Auch die Politik beschäftigt sich derzeit nur ungern mit dem Zinsschritt und seinen denkbaren Auswirkungen auf die sich völlig unterschiedlich entwickelnde Konjunktur der einzelnen Euro-Länder.Dort hat man aktuellere Sorgen um Italien und arbeitet sich weiter am neuen Lieblingsthema, der Gründung einer eigenen, europäischen Ratingagentur ab. Immer noch nimmt man es den Amerikanern übel, dass sie – so die verkürzte Darstellung der Politik – Griechenland beim Rating mit Staaten wie Pakistan gleichsetzte.

Dass die Agenturen eigentlich nur das Rating auf „hohe Ausfallwahrscheinlichkeit“ herabstuften, in einer Zeit, als viele deutsche Politiker wegen erwiesener Zahlungsunfähigkeit einen Schuldenschnitt forderten und damit die Ratings eigentlich bestätigten, wird geflissentlich übersehen.

Oftmals waren es dieselben Politiker, die einerseits die Pleite der Hellenen proklamierten und gleichzeitig die Keule gegen Moody’s & Co. schwangen. Welches Rating sie sich angesichts ihrer eigenen Aussagen von einer hauseigenen Agentur gewünscht hätten, blieb leider ungefragt.

[Bildquelle: Flickr.com / martinkrolikowski]

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